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Tagesspiegel - 30.01.2006 Hut
tut gut In
Guben entsteht ein Museum, das der ehemaligen Traditionsindustrie ein Denkmal
setzen will Guben
Zwar kommt Brandenburg manchmal etwas eintönig daher, doch eines kann man dem
Land sicher nicht vorwerfen: Dass es nicht nahezu pausenlos originelle Museen
hervorbringt. Nach Bienen-, Zweirad-, Spargel-, Tabak-, Lügen- oder Storchenmuseum
entsteht nun ein Hutmuseum. In Guben, direkt an der polnischen Grenze, dort gab
es nämlich einst eine berühmte Hutindustrie. Begründet wurde sie 1825 von dem
Unternehmer Carl Gottlob Wilke und weiterbetrieben von dessen Söhnen, denn das
Geschäft mit den handgefertigten Hüten lohnte sich, gelegentlichen Einbrüchen
zum Trotz. Schon im Jahr 1900 hieß es in der Festschrift zum 75. Bestehen des
Werks: „Täglich gehen aus der Wilkeschen Fabrik 200 Dutzend fertig garnierte Herrenhüte
hervor. Sie gehen in alle Welt, kommen auf die Köpfe von Menschen, die dem Verfertiger
ganz unbekannt sind, werden aufgesetzt und abgenommen, sitzen gerade und schief
auf den Köpfen, werden manchmal vertauscht, fallen zuweilen ins Wasser und werden
nach und nach verbraucht. Was wird schließlich aus ihnen?“ Eine Frage, die ab
dem 30. Juni vielleicht eine Antwort findet, dann wird das neue Museum eröffnet,
das dort entsteht, wo die Wilkesche Hutfabrik früher stand. 250 000 Euro soll
das Vorhaben kosten, was Stadt, Land und Europäische Union gemeinsam bezahlen
werden. Die Stadt Guben setzt damit einer vergangenen Glanzzeit ein Denkmal. Bis
in die 1920er Jahre war die Stadt an der Neiße Zentrum der europäischen Hutindustrie
(Slogan: „Gubener Tuche, Gubener Hüte, weltbekannt durch ihre Güte“), von hier
aus wurden Kopfbedeckungen in alle Welt exportiert. Hut-Urvater Wilke war es erstmals
gelungen, aus Schafwolle wetterfeste Filzhüte herzustellen. Diese revolutionäre
Idee war Ursprung der wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes. „Allein im Jahr
1927 wurden hier zehn Millionen Hüte produziert, davon 30 Prozent für den Export“,
sagt der Leiter des Städtischen Museums Guben, Bernd Pilz. „In den 20er Jahren
war ein gutes Drittel der Gubener Bevölkerung direkt oder indirekt mit der Hutherstellung
verbunden.“ Doch dann kam der Zweite Weltkrieg, und von dem hat sich der ehemals
erfolgreiche Industriezweig nie erholt. Schrittweise ging es bergab, vor sechs
Jahren machte schließlich der letzte Hutmacherbetrieb dicht. Konrad Großmann,
der das neue Museum koordiniert, hofft, mit diesem die Tradition der Hutherstellung
„wenigstens auf musealer Ebene“ wachhalten zu können. Der 60-jährige Angestellte
der Stadt hat den Auftrag, auf den 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche Technik-,
Industrie-, Stadt- und Sozialgeschichte des Ortes sinn- und lehrreich sozusagen
unter einen Hut zu bringen. Für das Konzept haben die Gubener erfahrene Helfer
geholt: Das Berliner Architekten-Büro „Peanutz“ hat schon die viel beachteten
Räume im Schloss Lübben gestaltet. Auch deren Hutmuseumspläne klingen spektakulär:
Die Ausstellungshalle soll mit überdimensionalen Hauben bestückt werden. In diese
müssen die Besucher hineingehen oder -gucken, um die Exponate und Multimedia-Effekte
zu erleben: historische Hutmaschinen, vielerlei Kopfbedeckungen, Filme oder Sound-Collagen,
die sich um den Hut im Allgemeinen, Hut und Kunst, Hut und Literatur oder Hut
und Mode drehen. Letztere bewegte die Menschen schon im Jahr 1900: Die modernen
Damenhüte, lästerte damals der Festredner, seien zum Teil der Art, dass man sie
kaum Hüte nennen möchte. Vielmehr erinnerten sie „an ein Vogelnest oder an ein
Gartenbeet“ – womöglich schon Stichworte für die nächsten Museumsgründungen? ari/ddp Rundfunk
Berlin-Brandenburg RBB - 29.01.2006 Guben
bekommt ein Hutmuseum Brandenburg
bekommt ein neues Museum. In Guben entsteht gegenwärtig das "Stadt- und Industriemuseum",
das sich mit dem ehemals wichtigsten Wirtschaftszweig des Ortes beschäftigt: der
Hutherstellung. Die Ausstellung soll am 30. Juni eröffnet werden. Zu den Exponaten
zählen neben vielen Hüten auch historische Hutmaschinen und Anlagen zur Filzherstellung.
Außerdem sollen Sound-Collagen, Filme und Spiele die Geschichte der Stadt und
seiner Hutindustrie beleuchten. Guben war vor dem Zweiten Weltkrieg Zentrum der
europäischen Hutindustrie. Für das Museum ist den Angaben zufolge eine Gesamtfläche
von rund 650 Quadratmetern geplant. Neben den Ausstellungsräumen sollen ein Museums-Shop
mit Café und ein Raum für museumspädagogische Projekte sowie ein Depot eingerichtet
werden. Die Kosten für das Museum belaufen sich auf insgesamt rund 250.000 Euro.
Es wird in einer ehemaligen Fabrik des Unternehmers Carl Gottlob Wilke (1796 bis
1875) eingerichtet. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde in den vergangenen Monaten
aufwändig saniert und beherbergt bereits eine Bibliothek und eine Musikschule.
Gemeinsam mit dem Museum wird dort im Sommer auch das neue Rathaus von Guben eröffnet. Lausitzer
Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Freitag, 29. Juli
2005 Ausstellung
zur Hutindustrie schließt Ausstellung
zur Hutindustrie schließt Die Ausstellung zur Geschichte der Gubener Hutindustrie
in den provisorischen Räumen, Gasstraße 12, ist ab dem kommenden Montag, 1. August,
dauerhaft geschlossen. Acol,
Gesellschaft für Arbeitsförderung Cottbus, kann die von ihr gemieteten Ausstellungsräume
nicht mehr finanzieren, begründete Christel Mehlhorn, Geschäftsführerin von Acol,
gestern gegenüber der RUNDSCHAU die Schließung. Seit die Stadt Guben ihre finanziellen
Zuschüsse zu Jahresbeginn einstellte, fehle das Geld. Die Exponate hat Acol in
seine Räume nach Cottbus geholt. Im neuen Gubener Rathaus soll die Ausstellung
in den neuen (alten) Räumen wieder gezeigt werden. Lausitzer
Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Dienstag, 23. November
2004 Uninteressierter
Nachwuchs Mäßiger
Besuch der Textil- und Hutschau in Forst Mit einer Hutmodenschau endete am Wochenende
die Ausstellung über Niederlausitzer Texilstandorte, bei der Forster Fabriken
und die Gubener Hutmachertradition im Mittelpunkt standen. Museumsleiterin
Michaela Zuber bedauerte, dass keine einzige Schulklasse den Weg in die Ausstellung
gefunden habe. Mit 1200 Besuchern in fast drei Monaten habe man eine «eher enttäuschende
Bilanz» ziehen müssen, die den Schluss nahe lege, dass sich das Interesse der
Forster an der Textilindustrie etwas gelegt zu haben scheint. Karin Wenke vom
Gubener Hutmuseum bedankte sich für die Gastfreundschaft im Forster Museum und
moderierte die Hutmodenschau, bei der Cornelia und Ruth Gäbler sowie Stefan Buss
Modelle mit Vergangenheit und aus der aktuellen Gubener Kollektion zeigten. Neben
sechs Hauptamtlichen sind seit Oktober auch vier Mitarbeiter im Museum über so
genannte Ein-Euro-Jobs tätig. «Alles Leute, die hoch motiviert sind» , lobte die
Geschäftsführerin des Museumsvereins, Angela Maaß. Am 4. Dezember wird um 15 Uhr
die Weihnachtsausstellung eröffnet. In diesem Jahr sollen Exponate der Cottbuser
Puppenbühne «Regenbogen» vor allem märchenhafte Weihnachtsstimmung aufkommen lassen.
Lausitzer
Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Freitag, 20. August
2004 Zwei
Tage für die «Große Wäsche» Brandenburgisches
Textilmuseum Forst eröffnet am 3. September eine neue Sonderausstellung - Es ist
Umbauzeit im Brandenburgischen Textilmuseum Forst: Die obere Etage wird für die
Sonderausstellung «Niederlausitzer Textilstandorte gestern und vorgestern» vorbereitet.
Gestern
waren schon eine Reihe interessanter Objekte, vor allem Hüte aus dem Gubener Hutmuseum,
zu sehen. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am 3. September um 19.30 Uhr.
Dabei sollen auch ehemalige Messeschlager des VEB Forster Tuchfabriken in einer
Modenschau vorgeführt werden. Mit der Sonderausstellung will man den Besuchern
die Geschichte und Entwicklung der in dieser Region traditionellen Textilindustrie
näher bringen Anhand von Maschinen aus den letzten beiden Jahrhunderten, Exponaten,
Fotos und Dokumenten wird belegt, wie rasant diese Entwicklung vor allem im 19.
Jahrhundert war und wie viele Betriebe damals in der Niederlausitz entstanden.
Interessant ist sicher auch, was aus diesen Betrieben geworden ist. Angela Maaß,
Geschäftsführerin des Museumsvereins der Stadt Forst, ist sicher, dass die Forster
«ihre» Textilbetriebe noch sehr genau kennen. «Die Gebäude der Firmen Brink und
Friedrich Schmidt stehen heute leer. Ebenso das der Gebrüder Ebele – hier waren
bekanntlich die Forster Web- und Strickwaren untergebracht. Wohnungen beziehungsweise
Büros entstanden in den Firmengebäuden von Bertke und Eugen Neubarth. Auf dem
Gelände der Firma Robert Cattien steht heute das Kreishaus. Die Firma Mrose gibt
es noch – doch nicht als Textilunternehmen. Nur das Unternehmen von Otto Petke
lebt sozusagen weiter – sein Enkel produziert heute Vliesstoffe» , weiß Angela
Maaß. Eine ganze Reihe dieser kleinen Tuchproduzenten seien nach und nach zwangsenteignet
und zu den Forster Tuchfabriken zusammengeschlossen worden. Neben der Entwicklung
der Forster Textilunternehmen wird unter anderem auch die Geschichte der Gubener
Hutwerke, die seit 1989 geschlossen sind, dokumentiert. Bis Ende Juli mussten
die Hüte aus dem Gubener Hutmuseum im Zusammenhang mit seinem Umbau ausziehen
– ab 3. September sind sie nun in Forst im Rahmen der Sonderausstellung zu sehen.
Auf Videos kann man verfolgen, wie diese Hüte entstanden. Im Rahmen der Ausstellung
sind auch Aktionstage geplant – am 5. und 6. September sind die Tage rund um die
«große Wäsche» . Dabei soll demons triert werden, wie Urgroßmutter und Großmutter
ihre Wäsche gewaschen haben – «mit Waschzuber, Waschbrett und historischen Waschmaschinen»
– so Angela Maaß. Als besondere Angebote zum Mitmachen an den beiden Tagen erwähnt
sie das Färben mit Naturfarben, das Filzen, Batiken und das Herstellen von Seife.
Am 26. und 27. Oktober will man dann die Bilder zur Erinnerung an die Forster
Tuchfabriken, die im Jahre 2000 in der Ausstellung «Fadenbruch» zu sehen waren,
in der neuen Sonderausstellung noch einmal zeigen. Die Ausstellung soll bis zum
21. November zu sehen sein – jeweils dienstags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr
und freitags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. Danach wird schon die Weihnachtsausstellung
aufgebaut, die am 4. Dezember eröffnet wird und in deren Mittelpunkt Marionetten
stehen sollen – das verrät Angela Maaß schon mal. -- Eva-Maria Becker Lausitzer
Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Dienstag, 7. September
2004 Gubener
Hüte bereichern Forster Schau Sehenswerte
Ausstellung im Textilmuseum der Kreisstadt eröffnet - „Niederlausitzer
Textilstandorte gestern und vorgestern“ heißt eine Sonderausstellung im Brandenburgischen
Textilmuseum Forst. Sie wurde am Freitag eröffnet und gibt einen Einblick in die
Geschichte der Textilindustrie in Forst, Guben und Finsterwalde. „Diese
Ausstellung ist in ihrer Art die erste im Textilmuseum. Forst in der Niederlausitz
war einst eine Tuchmacherhochburg, aufgrund der hohen Bedeutung des Industriezweiges
war diese Ausstellung längst überfällig“, sagte Michaela Zuber, Leiterin des Bran
denburgischen Textilmuseums. Der Forster Bürgermeister Dr. Gerhard Reinfeld erinnerte
bei der Eröffnung der Ausstellung an die Zeit, als die Textilindustrie in der
Neißeregion eine gezielte, dynamische Unterstützung durch den preußischen Staat
erhielt. „Die Produkte und die Firmen erlangten Weltruhm“, so Reinfeld. Namen
wie Koswig, Wilke, Cattien, Schmidt, Brehmer oder Noack waren eng verbunden mit
der Tuchmachertradition. Neben Produkten aus den Finsterwalder Tuchfabriken, den
Gubener Hutwerken sowie den heimischen Forster Tuchwerken sind in der Forster
Ausstellung auch die mit den Fabriken verbundenen Schicksale von Menschen und
der Arbeitsalltag dokumentiert. Die Gubener haben einen Videofilm über die Hutherstellung
parat, der bereits am Eröffnungsabend viele Neugierige anzog. Christel Mehlhorn
von der Acol Gesellschaft für Arbeitsförderung in Guben freute sich, dass es in
Forst die Möglichkeit gibt, die Produkte der Gubener Hutwerke auszustellen: „Unser
Hutmuseum ist zurzeit geschlossen, und so müssen wir nicht alle schönen Stücke
im dunklen Depot verschwinden lassen.“ Bis zum 21. November ist die Ausstellung
«Niederlausitzer Textilstandorte gestern und vorgestern» zu sehen. Das Brandenburgische
Textilmuseum in der Sorauer Straße 37 ist dienstags bis donnerstags von 10 bis
17 Uhr und freitags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Für Besuchergruppen
können unter Telefon (03562) 9 73 56 extra Termine vereinbart werden. Lausitzer
Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Freitag, 2. Juli 2004
Vandalen
im Hutmuseum Zweiter
Einbruch in diesem Jahr «Da haben Vandalen gehaust» , sagt Rosemarie Müller vom
Technischen Museum der Hutindustrie an der Gasstraße. Als sie gestern Morgen zur
Arbeit kam, traute sie ihren Augen kaum: Schon wieder war in das Museum eingebrochen
worden. Schweinische
Einbrecher machten sich in der Nacht zu gestern im Hutmuseum an der Gasstraße
zu schaffen. Dort, wo Diebe im März eingestiegen waren, verschafften sich jetzige
Täter erneut Zutritt. Sie durchwühlten Schränke, rissen Hüte von ihren Aufhängungen
sowie aus den von ihnen eingeschlagenen Vitrinen und verstreuten die wertvollen
Ausstellungsstücke in den Räumen. Mindestens vier Hüte ließen die Einbrecher auch
mitgehen – zwei Zylinder und zwei Zweispitze. «Die Zylinder sind nicht mit Seide,
sondern mit Haar bespannt. Einer davon ist ein grauer Biedermeier aus dem 19.
Jahrhundert, der andere von der Firma Gallasch» , sagt Rosemarie Müller. Christel
Mehlhorn, Geschäftsführerin der Acol, die Träger des Hutmuseums ist, ist entsetzt
über die angerichteten Schäden, die sie im Zusammenhang mit denen vom ersten Einbruch
sieht. Vor drei Monaten wurde vor allem irreparabler Schaden an den alten, vor
zwei Jahren auf Vordermann gebrachten Hutmaschinen angerichtet. Alle nicht niet-
und nagelfesten Teile waren abgebaut und die Schaltkästen zerstört worden. Jetzt
kippten die Einbrecher in einem Ausstellungsraum Apfelsaft auf die ausgestellten
Hüte. Den hatten sie sich aus einem Arbeitsraum geholt, von dem sie zuvor die
Stahltür aufbrachen. Doch damit nicht genug. In diesem Raum kochten sich die Täter
auch noch Kaffee und schütteten den Satz auf den Schreibtisch und auf die Lüftung
des Computerbildschirmes. Die Tastatur machten sie mit ausgeschütteter Stempelfarbe
unbrauchbar und entwendeten auch noch das Überspielkabel für das Videogerät. Die
meisten der für die gestrigen 40 Museumsbesucher aus Berlin bestimmten Flaschen
mit Gubener Apfelsaft wurden im Raum ausgekippt, außerdem eine Sehbrille zerbrochen.
Rund 1500 Euro Schaden entstanden. Lausitzer
Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Dienstag, 1. April
2003 Auf
den Hut gekommen Arbeitsgemeinschaft
bereitet Veranstaltung mit vor - Voraussichtlich im Juni wird das Technische Museum
der Hutindustrie wieder zu einer Veranstaltung einladen. In deren Vorbereitung
eingebunden ist seit Dezember vergangenen Jahres die Arbeitsgemeinschaft (AG)
Kunst des Pestalozzi-Gymnasiums. Jane,
Anne, Marie und Ina hatten bei ihrem jüngsten Arbeitsgemeinschaftstreff ihre Plakatentwürfe
an die Tafel gepinnt und probierten zunächst dort einige weitere Gestaltungsvarianten
aus. Die Seitenprofile
ihrer Konterfeis haben Jane, Marie, Ina, Diana und Anne für die Plakatgestaltung
in der AG genutzt. Und wer genauer hinschaut, erkennt zum Beispiel in dem rotgesichtigen
Porträt mit dem grünblauen Haar und der bunten Kappe Gesichtszüge von Jane. Diese
probiert beim AG-Treff am Donnerstagnachmittag Maries blauem Plakatgesicht mit
dem blonden Pferdeschwanz gerade einen schwarzen Tuff an. Dann nehmen die vier
anwesenden Mädchen die Plakate von der Wandtafel ab und gestalten sie auf den
Tischen weiter. Ina probiert «Edelsteine» und kleine Kunstblumen als Augen und
als Haarschmuck auf ihrer Arbeit aus. Anne klebt weiße Punkte auf den grünen Hut.
Später sollen die Plakate noch beschriftet werden. Wenn sie fertig sind, werden
sie zu einem Rund-um-den-Hut-Abend ins Gubener Hutmuseum einladen. Aber bis dahin
gibt es noch viel Arbeit. Denn jedes der Mädchen hat sich bei einem Besuch im
Museum vier, fünf Hüte ausgesucht, denen es einen kulturellen Rahmen verpassen
will. Der soll sowohl informativ als auch lustig sein. Wann wurde die jeweilige
Kopfbedeckung getragen, und von wem« Wer konnte sich dieses oder jenes Modell
leisten» Diese und weitere interessante Fragen wollen die AG-Mitglieder beantworten.
Jane hat sich dafür einen schwarzen und einen beigen Zylinder sowie einen Homberghut
ausgesucht, Anne einen Dreispitz und einen Chinesenhut. Marie will sich unter
anderem Geschichte und Geschichten zum Fez, zum Doktorhut und zur «Kreissäge»
erarbeiten. Ina erforscht alles rund um die Zipfelmütze und den Panamahut. Und
AG-Leiterin Christa Knels fällt da natürlich gleich das Lied vom Mann mit dem
Panamahut ein. . . Als die Lehrerin mit einem Teil der AG-Mitglieder zu Beginn
der Arbeit an diesem Projekt im Hutmuseum war, probierten die Mädels ausgiebig
die für sie absolut ungewohnten Kopfbedeckungen aus, ehe sie sich entschieden,
für welche sie auf Entdeckungsreise gehen wollen. Die Schülerinnen finden es schade,
dass es die Hutindustrie als solche an der Neiße nicht mehr gibt. Aber selbst
einen Hut zu tragen, nein, dass kann sich keine der Schülerinnen vorstellen. «Bestenfalls
ein Basecap» , meint Jane, würde zu ihr passen. Doch die Arbeit an dem Hutprojekt
macht den Mädchen Spaß. Wenn sie die Plakate fertig haben, wollen sie diese Johanna
Kohl im Hutmuseum zeigen. Und dann wird auch die weitere Programmgestaltung beraten
werden. Die über eine Strukturanpassungsmaßnahme bei Acol angestellte Museumsmitarbeiterin
freut sich über die Unterstützung der Mädels aus dem Gymnasium. «Im Museum haben
vorhergehende ABM-Kräfte viel Material zusammengetragen» , sagt die 57-Jährige.
Da sie selbst jedoch nicht aus der Hut-, sondern aus der Chemiefaserindustrie
kommt, steckt sie in der Geschichte nicht so drin. Und so bleibt es auch für sie
spannend, was die Gymnasiastinnen in Bezug auf die Geschichte der im Museum ausgestellten
Hüte zusammentragen werden. -- B. Remus Lausitzer
Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Mittwoch, 5. Januar 2000
Auf
dem Grundstock aufgebaut - 9000 Besucher sahen in den vergangenen 5 Jahren das
Gubener Hutmuseum GUBEN
Heute vor fünf Jahren wurde das Technische Museum der Hutindustrie in der Gasstraße
eröffnet. Etwa 9000 Besucher sahen seitdem die ständig wachsende Ausstellung.
Den Grundstock für diese bundesweite Einmaligkeit legten drei Gubenerinnen: Jutta
Penz, Waltraud Wallat, sowie Isolde Pilz. Die Forscherin, die Hutmacherin und
die Historikerin begannen am 1. Januar 1993 innerhalb eines ABM-Projektes der
ACOL Gesellschaft für Arbeitsförderung Cottbus mit dem Erarbeiten einer Konzeption
und dem Sammeln von künftigen Ausstellungsstücken. "Wir haben bei Null angefangen,
wußten anfangs gar nicht so recht, wie wir die Sache angehen sollten. Aber es
erwies sich als sehr vorteilhaft, daß zwei aus unserer Gruppe aus der Hutbranche
kamen", blickt Isolde Pilz zurück. Über
fünf Jahre und unter Ausschöpfung aller möglichen Fördermaßnahmen trugen die drei
Frauen aus nicht mehr genutzten Betriebsräumen und -gebäuden, aus Haushaltauflösungen,
von Möbelbörsen und von Sponsoren die unterschiedlichsten Objekte zusammen, inventarisierten
sie und bauten so Schritt für Schritt die Ausstellung im Parterre des Produktionsgebäudes
an der Gasstraße auf. Bereits im Juni 1993 vermittelte eine Sonderausstellung
im Museum "Sprucker Mühle" einen ersten Überblick über den Stand der Projektarbeit.
Knapp zwei Jahre später wurde die ständige Ausstellung eingeweiht. Nachfolgende
ABM - fünf sind es insgesamt - konnten stets auf dem Museumsfundus aufbauen. Voller
Anerkennung für ihre Vorgänger sind auch die derzeitigen drei ABM- Leute - Karin
Nickel als Projektleiterin, Siegfried Kurzmann und Falko Höpfner. Ihnen gelang
es seit dem 14. März 1999 unter anderem, ein zweites Produktionsvideo zu fertigen.
"Es ist etwas leichter verständlich als das erste und zeigt außerdem die Produktion
von A bis Z", merkt Karin Nickel an. Sie
selbst lernte die Hutmacherei von der Pike auf. Auch Siegfried Kurzmann verdiente
sein Geld einst in diesem Gubener Traditionsbetrieb. Beiden ging der Abriß großer
Teile der Hutfabrik an der Gasstraße deshalb besonders nahe. Aber außer der vielen
Staubwischerei in den Museumsräumen und Einbußen bei Besucherzahlen brachte der
Abriß auch etwas Positives: In allen zum Wegreißen vorgesehenen Gebäuden konnte
gründlich nach Wertvollem für das Museum gestöbert werden. Viele Fotos, Brigadechroniken,
Ersatzteile, Visitenkarten und anderes wurden entdeckt. "Es waren mitunter nur
Kleinigkeiten, aber sie erzählen Hutmachergeschichte", ordnet Karin Nickel
die Funde ein. Viele davon können jedoch erst später aufgearbeitet werden. Sie
und ihre beiden Mitstreiter hoffen dafür auf eine Strukturanpassungsmaßnahme,
die die jetzige ABM nach dem 14. März 2000 fortführt. Die
Stadt hat als Zuschuß für die Museumsarbeit wiederum 15.000 Mark im Haushalts-
entwurf veranschlagt. Doch ACOL hat jetzt um die Verdoppelung der Summe gebeten.
Im nächsten Kulturausschuß der Stadtverordnetenversammlung wird dieses Thema mit
zur Diskussion stehen. Eine Entscheidung kann jedoch erst die Stadtverordnetenversammlung
treffen. Lausitzer
Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Donnerstag, 12. August
1999
"Trockene
Haifischhaut macht Hüte flauschig" - Die
vierte Sommertour führte die Neißestädter ins Hutmuseum GUBEN. Die
gestrige Sommertour führte ins Gubener Hutmuseum. Die 25 Teilnehmer erlebten dort
einen spannenden Vormittag. Der Ausweichtermin kam bei allen gut an. Und die RUNDSCHAU-Aktion
hat inzwischen viele Fans. "Ich war bei jeder Sommertour." Christel Liebelt freut
sich ganz besonders auf diesen Termin im Hutmuseum. Die Gubenerin arbeitete selbst
über 30 Jahre in der Hutfabrik. Auch Inge Kloß ist immer dabei. Traurig, daß der
geplante Ausflug zum neuen Mühlenlaufwerk der Sprucker Mühle zum Lokaltermin im
Hutmuseum wurde, war niemand: "Dann klappt es eben im nächsten Jahr", waren sich
die Teilnehmer einig. Denn aus sicherheitstechnischen Gründen mußte dieser abgesagt
werden: Die Baustelle hätte Leser gefährden können. Tolle
Alternative Karin
Nickel und Detlef Renner, Mitarbeiter des Hutmuseums, erklärten sich sofort bereit,
den Lesern als Alternative einen spannenden Vormittag in dem Gebäude an der Gasstraße
zu bereiten. Das gelang hervorragend. Selbst die Jüngsten begeisterte die geschichtliche
Einleitung ins 19. Jahrhundert: die Anfänge der Gubener Hüte, als Carl Gottlob
Wilke die zündende Idee hatte, "Hüte mit Dampf haltbar zu machen". Verfilzung
von Wolle und später von Kaninchenhaaren war das Geheimnis der in aller Welt berühmt
gewordenen Gubener Hüte. Die Geschichte der Wilkes ist der "amerikanische Traum"
vom Tellerwäscher zum Millionär - fingen sie doch in einem kleinen Hinterzimmer
an. Schlau war Carl Gottlieb Wilke. Er ließ sich seine Erfindung in Berlin patentieren.
"In Guben wurden hauptsächlich Herrenhüte hergestellt", weiß Detlef Renner. Und
wie das genau geht, darüber informierten zwei Videofilme. "So wird heute noch
in der Hutfabrik produziert", versicherten die beiden Mitarbeiter des Museums.
Beeindruckend: So viele Arbeitsschritte, um eine Kopfbedeckung herzustellen. "Jetzt
wissen wir auch, warum ein Hut seinen Preis hat", so Friedel Karras. Und weil
es bis jetzt so spannend war, stimmten alle dem Vorschlag zu, eine Reportage über
ein Putzmachergeschäft in Leipzig zu sehen. Zwischendurch reichte Karin Nickel
Pfauen- und Straußenfedern durch die Reihen, alles Accessoires, die eine Kopfbedeckung
zum Lieblingsstück machen. Wieder
dazugelernt
Tja, aber was war das bräunliche spröde Ding? "Sandpapier" tippte ein Besucher
aus Berlin." "Fast", so Karin Nickel. "Das ist trockene Haifischhaut. Damit rauht
man die Hüte auf, so werden sie schön samtig und flauschig." Nach dem Film ging
jeder seinen Interessen nach - mit konventioneller Rollenverteilung: Die Herren
stellten Detlef Renner Fragen zur Technik, die Damen probierten die ausgestellten
Hüte. Julian fand sich mit einem schwarzen Handwerkerhut chic und ließ sich damit
gleich von Papa ablichten. Großes Interesse erweckte auch die alte Fabrikantenvilla,
die auf dem Gelände der heutigen Feuerwehr stand. Karin Nickel zeigte alte Fotos
und Grundschnitte. Das alte Guben hatte Charme, da war man sich einig. -- Kathrin
Klinkusch Gubener
Zeitung - Sonnabend, 08. Juli 1939 Das
Hut- und Hutmachermuseum in der Industriestadt Guben.
Unter
den verschiedenen Industriezweigen der im In- und Auslande insbesondere durch
ihre Hut- und Tuchfabrikation rühmlichst bekannten Stadt Guben, nimmt die Hutindustrie
den hervorragendsten Platz ein. In Guben befinden sich nicht nur die meisten,
sondern auch die größten Hutfabrikbetriebe Deutschlands, darunter auch der älteste
Betrieb überhaupt, die Hutfabrik C.G. Wilke. Von hier aus hat die deutsche Wollhuterzeugung
ihren Ausgang genommen, als es dem Hutmachermeister Carl Gottlob Wilke in den
fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gelang, einen brauchbaren, auch gegen
Nässe widerstandsfähigen Wollfilzhut herzustellen. Da Carl Gottlob Wilke es lange
meisterhaft verstand, seine Erfindung geheim zuhalten, behielt er und damit Deutschland
in der Hutfabrikation die Vorhand. Die
von Carl Gottlob Wilke hergestellten Wollhüte, die an Glanz denen aus Hasenhaaren
nichts nachgaben und vor allem auch fest und widerstandsfähig gegen Regen waren,
wurden bald in Deutschland bekannt. Die Absatzziffern stiegen von Jahr zu Jahr
immer höher an, und in den siebziger und achtziger Jahren gewann auch das Auslandsgeschäft
einen großen Umfang, den Namen Gubens damit auch außerhalb unseres Vaterlandes
in ständig steigendem Maße bekanntmachend. Auch auf Weltausstellungen erschienen
von nun an Gubener Hüte. War zunächst die Wilkesche Hutfabrik die alleinige Trägerin
der Gubener Hutfabrikation, so entstanden nun nach und nach in der Stadt noch
andere Hutfabriken, von denen manche wieder eingingen, während andere es neben
der Firma Wilke ebenfalls zu großem Ansehen in der Welt brachten, unter ihnen
in erster Linie die Berlin-Gubener Hutfabrik AG., ein Riesenunternehmen, das im
Deutschen Reich, ja man kann wohl sagen, auf dem ganzen europäischen Kontinent
nicht seinesgleichen hat. Auch die erst in jüngerer Zeit entstandene Hutfabrik
von Fugmann hat es durch eine neuartige Fabrikationsmethode verstanden, sich im
In- und Ausland einen bedeutenden Ruf zu erwerben. Die
ständig fortschreitende Entwicklung der Hutindustrie hatte zur Folge, daß im Laufe
der Jahre in Guben eine Anzahl von Maschinenfabriken entstanden, die hochwertige
Spezialmaschinen für die Hutfabrikation herstellen, die für die Hutindustrie der
ganzen Welt von bedeutender Wichtigkeit sind. Für letzteres zeugt das umfangreiche
Exportgeschäft dieser Firmen. Aus
dieser Darstellung geht hervor, daß die Hutindustrie an der Entwicklung des ehemals
unbekannten Landstädtchens Guben zu einer weltbekannten Industriestadt in erheblichem
Umfange beigetragen hat. So ist es denn nur ein selbstverständlicher Akt der Dankbarkeit
gegenüber der alten Gubener Hutmacherfamilien, wenn der Oberbürgermeister der
Stadt Guben sich nunmehr entschlossen hat, im Anschluß an das bereits bestehende
Stadtmuseum ein Hut- und Hutmachermuseum zu errichten. Guben ist der Entwicklung
der deutschen Hutindustrie nach der gegebene Ort für ein derartiges Museum. Der
Grundstock hierfür ist bereits vorhanden, da die Firma C.G. Wilke schon bei der
Errichtung des Stadtmuseums in hochherziger Weise eine Sammlung geschichtlich
wertvoller Hutmodelle gestiftet hat. So wie der Oberbürgermeister am 4. Juli 1939
in Anwesenheit der Beigeordneten der Stadt Guben und der Vertreter der Gubener
Hutindustrie vollzogenen Gründung des Hut- und Hutmachermuseums ausführte, soll
dieses Museum in zielbewußter Arbeit ständig vergrößert werden, mit dem Ziel,
aus ihm im Laufe der Zeit einen Zentralpunkt für die gesamte Hutindustrie unseres
Vaterlandes entstehen zu lassen. Vor allem soll das Museum die Entwicklung des
Hutmachergewerbes und der Hutindustrie aus den kleinsten Anfängen heraus veranschaulichen. Möge
das junge Hut- und Hutmachermuseum in Guben schon jetzt eine tatkräftige Unterstützung
aller Kreise der Hutindustrie unseres Vaterlandes finden, damit der Gedanke der
Schaffung eines Mittelpunktes der deutschen Hutfabrikation recht bald verwirklicht
werden kann. |