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Der Tagesspiegel - 30.01.2006

Hut tut gut

In Guben entsteht ein Museum, das der ehemaligen Traditionsindustrie ein Denkmal setzen will Guben

Zwar kommt Brandenburg manchmal etwas eintönig daher, doch eines kann man dem Land sicher nicht vorwerfen: Dass es nicht nahezu pausenlos originelle Museen hervorbringt. Nach Bienen-, Zweirad-, Spargel-, Tabak-, Lügen- oder Storchenmuseum entsteht nun ein Hutmuseum. In Guben, direkt an der polnischen Grenze, dort gab es nämlich einst eine berühmte Hutindustrie. Begründet wurde sie 1825 von dem Unternehmer Carl Gottlob Wilke und weiterbetrieben von dessen Söhnen, denn das Geschäft mit den handgefertigten Hüten lohnte sich, gelegentlichen Einbrüchen zum Trotz. Schon im Jahr 1900 hieß es in der Festschrift zum 75. Bestehen des Werks: „Täglich gehen aus der Wilkeschen Fabrik 200 Dutzend fertig garnierte Herrenhüte hervor. Sie gehen in alle Welt, kommen auf die Köpfe von Menschen, die dem Verfertiger ganz unbekannt sind, werden aufgesetzt und abgenommen, sitzen gerade und schief auf den Köpfen, werden manchmal vertauscht, fallen zuweilen ins Wasser und werden nach und nach verbraucht. Was wird schließlich aus ihnen?“ Eine Frage, die ab dem 30. Juni vielleicht eine Antwort findet, dann wird das neue Museum eröffnet, das dort entsteht, wo die Wilkesche Hutfabrik früher stand. 250 000 Euro soll das Vorhaben kosten, was Stadt, Land und Europäische Union gemeinsam bezahlen werden. Die Stadt Guben setzt damit einer vergangenen Glanzzeit ein Denkmal. Bis in die 1920er Jahre war die Stadt an der Neiße Zentrum der europäischen Hutindustrie (Slogan: „Gubener Tuche, Gubener Hüte, weltbekannt durch ihre Güte“), von hier aus wurden Kopfbedeckungen in alle Welt exportiert. Hut-Urvater Wilke war es erstmals gelungen, aus Schafwolle wetterfeste Filzhüte herzustellen. Diese revolutionäre Idee war Ursprung der wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes. „Allein im Jahr 1927 wurden hier zehn Millionen Hüte produziert, davon 30 Prozent für den Export“, sagt der Leiter des Städtischen Museums Guben, Bernd Pilz. „In den 20er Jahren war ein gutes Drittel der Gubener Bevölkerung direkt oder indirekt mit der Hutherstellung verbunden.“ Doch dann kam der Zweite Weltkrieg, und von dem hat sich der ehemals erfolgreiche Industriezweig nie erholt. Schrittweise ging es bergab, vor sechs Jahren machte schließlich der letzte Hutmacherbetrieb dicht. Konrad Großmann, der das neue Museum koordiniert, hofft, mit diesem die Tradition der Hutherstellung „wenigstens auf musealer Ebene“ wachhalten zu können. Der 60-jährige Angestellte der Stadt hat den Auftrag, auf den 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche Technik-, Industrie-, Stadt- und Sozialgeschichte des Ortes sinn- und lehrreich sozusagen unter einen Hut zu bringen. Für das Konzept haben die Gubener erfahrene Helfer geholt: Das Berliner Architekten-Büro „Peanutz“ hat schon die viel beachteten Räume im Schloss Lübben gestaltet. Auch deren Hutmuseumspläne klingen spektakulär: Die Ausstellungshalle soll mit überdimensionalen Hauben bestückt werden. In diese müssen die Besucher hineingehen oder -gucken, um die Exponate und Multimedia-Effekte zu erleben: historische Hutmaschinen, vielerlei Kopfbedeckungen, Filme oder Sound-Collagen, die sich um den Hut im Allgemeinen, Hut und Kunst, Hut und Literatur oder Hut und Mode drehen. Letztere bewegte die Menschen schon im Jahr 1900: Die modernen Damenhüte, lästerte damals der Festredner, seien zum Teil der Art, dass man sie kaum Hüte nennen möchte. Vielmehr erinnerten sie „an ein Vogelnest oder an ein Gartenbeet“ – womöglich schon Stichworte für die nächsten Museumsgründungen? ari/ddp

Rundfunk Berlin-Brandenburg RBB - 29.01.2006

Guben bekommt ein Hutmuseum

Brandenburg bekommt ein neues Museum. In Guben entsteht gegenwärtig das "Stadt- und Industriemuseum", das sich mit dem ehemals wichtigsten Wirtschaftszweig des Ortes beschäftigt: der Hutherstellung. Die Ausstellung soll am 30. Juni eröffnet werden. Zu den Exponaten zählen neben vielen Hüten auch historische Hutmaschinen und Anlagen zur Filzherstellung. Außerdem sollen Sound-Collagen, Filme und Spiele die Geschichte der Stadt und seiner Hutindustrie beleuchten. Guben war vor dem Zweiten Weltkrieg Zentrum der europäischen Hutindustrie. Für das Museum ist den Angaben zufolge eine Gesamtfläche von rund 650 Quadratmetern geplant. Neben den Ausstellungsräumen sollen ein Museums-Shop mit Café und ein Raum für museumspädagogische Projekte sowie ein Depot eingerichtet werden. Die Kosten für das Museum belaufen sich auf insgesamt rund 250.000 Euro. Es wird in einer ehemaligen Fabrik des Unternehmers Carl Gottlob Wilke (1796 bis 1875) eingerichtet. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde in den vergangenen Monaten aufwändig saniert und beherbergt bereits eine Bibliothek und eine Musikschule. Gemeinsam mit dem Museum wird dort im Sommer auch das neue Rathaus von Guben eröffnet.

Lausitzer Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Freitag, 29. Juli 2005

Ausstellung zur Hutindustrie schließt

Ausstellung zur Hutindustrie schließt Die Ausstellung zur Geschichte der Gubener Hutindustrie in den provisorischen Räumen, Gasstraße 12, ist ab dem kommenden Montag, 1. August, dauerhaft geschlossen.

Acol, Gesellschaft für Arbeitsförderung Cottbus, kann die von ihr gemieteten Ausstellungsräume nicht mehr finanzieren, begründete Christel Mehlhorn, Geschäftsführerin von Acol, gestern gegenüber der RUNDSCHAU die Schließung. Seit die Stadt Guben ihre finanziellen Zuschüsse zu Jahresbeginn einstellte, fehle das Geld. Die Exponate hat Acol in seine Räume nach Cottbus geholt. Im neuen Gubener Rathaus soll die Ausstellung in den neuen (alten) Räumen wieder gezeigt werden.

Lausitzer Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Dienstag, 23. November 2004

Uninteressierter Nachwuchs

Mäßiger Besuch der Textil- und Hutschau in Forst Mit einer Hutmodenschau endete am Wochenende die Ausstellung über Niederlausitzer Texilstandorte, bei der Forster Fabriken und die Gubener Hutmachertradition im Mittelpunkt standen.

Museumsleiterin Michaela Zuber bedauerte, dass keine einzige Schulklasse den Weg in die Ausstellung gefunden habe. Mit 1200 Besuchern in fast drei Monaten habe man eine «eher enttäuschende Bilanz» ziehen müssen, die den Schluss nahe lege, dass sich das Interesse der Forster an der Textilindustrie etwas gelegt zu haben scheint. Karin Wenke vom Gubener Hutmuseum bedankte sich für die Gastfreundschaft im Forster Museum und moderierte die Hutmodenschau, bei der Cornelia und Ruth Gäbler sowie Stefan Buss Modelle mit Vergangenheit und aus der aktuellen Gubener Kollektion zeigten. Neben sechs Hauptamtlichen sind seit Oktober auch vier Mitarbeiter im Museum über so genannte Ein-Euro-Jobs tätig. «Alles Leute, die hoch motiviert sind» , lobte die Geschäftsführerin des Museumsvereins, Angela Maaß. Am 4. Dezember wird um 15 Uhr die Weihnachtsausstellung eröffnet. In diesem Jahr sollen Exponate der Cottbuser Puppenbühne «Regenbogen» vor allem märchenhafte Weihnachtsstimmung aufkommen lassen.

Lausitzer Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Freitag, 20. August 2004

Zwei Tage für die «Große Wäsche»

Brandenburgisches Textilmuseum Forst eröffnet am 3. September eine neue Sonderausstellung - Es ist Umbauzeit im Brandenburgischen Textilmuseum Forst: Die obere Etage wird für die Sonderausstellung «Niederlausitzer Textilstandorte gestern und vorgestern» vorbereitet.

Gestern waren schon eine Reihe interessanter Objekte, vor allem Hüte aus dem Gubener Hutmuseum, zu sehen. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am 3. September um 19.30 Uhr. Dabei sollen auch ehemalige Messeschlager des VEB Forster Tuchfabriken in einer Modenschau vorgeführt werden. Mit der Sonderausstellung will man den Besuchern die Geschichte und Entwicklung der in dieser Region traditionellen Textilindustrie näher bringen Anhand von Maschinen aus den letzten beiden Jahrhunderten, Exponaten, Fotos und Dokumenten wird belegt, wie rasant diese Entwicklung vor allem im 19. Jahrhundert war und wie viele Betriebe damals in der Niederlausitz entstanden. Interessant ist sicher auch, was aus diesen Betrieben geworden ist. Angela Maaß, Geschäftsführerin des Museumsvereins der Stadt Forst, ist sicher, dass die Forster «ihre» Textilbetriebe noch sehr genau kennen. «Die Gebäude der Firmen Brink und Friedrich Schmidt stehen heute leer. Ebenso das der Gebrüder Ebele – hier waren bekanntlich die Forster Web- und Strickwaren untergebracht. Wohnungen beziehungsweise Büros entstanden in den Firmengebäuden von Bertke und Eugen Neubarth. Auf dem Gelände der Firma Robert Cattien steht heute das Kreishaus. Die Firma Mrose gibt es noch – doch nicht als Textilunternehmen. Nur das Unternehmen von Otto Petke lebt sozusagen weiter – sein Enkel produziert heute Vliesstoffe» , weiß Angela Maaß. Eine ganze Reihe dieser kleinen Tuchproduzenten seien nach und nach zwangsenteignet und zu den Forster Tuchfabriken zusammengeschlossen worden. Neben der Entwicklung der Forster Textilunternehmen wird unter anderem auch die Geschichte der Gubener Hutwerke, die seit 1989 geschlossen sind, dokumentiert. Bis Ende Juli mussten die Hüte aus dem Gubener Hutmuseum im Zusammenhang mit seinem Umbau ausziehen – ab 3. September sind sie nun in Forst im Rahmen der Sonderausstellung zu sehen. Auf Videos kann man verfolgen, wie diese Hüte entstanden. Im Rahmen der Ausstellung sind auch Aktionstage geplant – am 5. und 6. September sind die Tage rund um die «große Wäsche» . Dabei soll demons triert werden, wie Urgroßmutter und Großmutter ihre Wäsche gewaschen haben – «mit Waschzuber, Waschbrett und historischen Waschmaschinen» – so Angela Maaß. Als besondere Angebote zum Mitmachen an den beiden Tagen erwähnt sie das Färben mit Naturfarben, das Filzen, Batiken und das Herstellen von Seife. Am 26. und 27. Oktober will man dann die Bilder zur Erinnerung an die Forster Tuchfabriken, die im Jahre 2000 in der Ausstellung «Fadenbruch» zu sehen waren, in der neuen Sonderausstellung noch einmal zeigen. Die Ausstellung soll bis zum 21. November zu sehen sein – jeweils dienstags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr und freitags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. Danach wird schon die Weihnachtsausstellung aufgebaut, die am 4. Dezember eröffnet wird und in deren Mittelpunkt Marionetten stehen sollen – das verrät Angela Maaß schon mal. -- Eva-Maria Becker

Lausitzer Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Dienstag, 7. September 2004

Gubener Hüte bereichern Forster Schau

Sehenswerte Ausstellung im Textilmuseum der Kreisstadt eröffnet - „Niederlausitzer Textilstandorte gestern und vorgestern“ heißt eine Sonderausstellung im Brandenburgischen Textilmuseum Forst. Sie wurde am Freitag eröffnet und gibt einen Einblick in die Geschichte der Textilindustrie in Forst, Guben und Finsterwalde.

„Diese Ausstellung ist in ihrer Art die erste im Textilmuseum. Forst in der Niederlausitz war einst eine Tuchmacherhochburg, aufgrund der hohen Bedeutung des Industriezweiges war diese Ausstellung längst überfällig“, sagte Michaela Zuber, Leiterin des Bran denburgischen Textilmuseums. Der Forster Bürgermeister Dr. Gerhard Reinfeld erinnerte bei der Eröffnung der Ausstellung an die Zeit, als die Textilindustrie in der Neißeregion eine gezielte, dynamische Unterstützung durch den preußischen Staat erhielt. „Die Produkte und die Firmen erlangten Weltruhm“, so Reinfeld. Namen wie Koswig, Wilke, Cattien, Schmidt, Brehmer oder Noack waren eng verbunden mit der Tuchmachertradition. Neben Produkten aus den Finsterwalder Tuchfabriken, den Gubener Hutwerken sowie den heimischen Forster Tuchwerken sind in der Forster Ausstellung auch die mit den Fabriken verbundenen Schicksale von Menschen und der Arbeitsalltag dokumentiert. Die Gubener haben einen Videofilm über die Hutherstellung parat, der bereits am Eröffnungsabend viele Neugierige anzog. Christel Mehlhorn von der Acol Gesellschaft für Arbeitsförderung in Guben freute sich, dass es in Forst die Möglichkeit gibt, die Produkte der Gubener Hutwerke auszustellen: „Unser Hutmuseum ist zurzeit geschlossen, und so müssen wir nicht alle schönen Stücke im dunklen Depot verschwinden lassen.“ Bis zum 21. November ist die Ausstellung «Niederlausitzer Textilstandorte gestern und vorgestern» zu sehen. Das Brandenburgische Textilmuseum in der Sorauer Straße 37 ist dienstags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr und freitags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Für Besuchergruppen können unter Telefon (03562) 9 73 56 extra Termine vereinbart werden.

Lausitzer Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Freitag, 2. Juli 2004

Vandalen im Hutmuseum

Zweiter Einbruch in diesem Jahr «Da haben Vandalen gehaust» , sagt Rosemarie Müller vom Technischen Museum der Hutindustrie an der Gasstraße. Als sie gestern Morgen zur Arbeit kam, traute sie ihren Augen kaum: Schon wieder war in das Museum eingebrochen worden.

Schweinische Einbrecher machten sich in der Nacht zu gestern im Hutmuseum an der Gasstraße zu schaffen. Dort, wo Diebe im März eingestiegen waren, verschafften sich jetzige Täter erneut Zutritt. Sie durchwühlten Schränke, rissen Hüte von ihren Aufhängungen sowie aus den von ihnen eingeschlagenen Vitrinen und verstreuten die wertvollen Ausstellungsstücke in den Räumen. Mindestens vier Hüte ließen die Einbrecher auch mitgehen – zwei Zylinder und zwei Zweispitze. «Die Zylinder sind nicht mit Seide, sondern mit Haar bespannt. Einer davon ist ein grauer Biedermeier aus dem 19. Jahrhundert, der andere von der Firma Gallasch» , sagt Rosemarie Müller. Christel Mehlhorn, Geschäftsführerin der Acol, die Träger des Hutmuseums ist, ist entsetzt über die angerichteten Schäden, die sie im Zusammenhang mit denen vom ersten Einbruch sieht. Vor drei Monaten wurde vor allem irreparabler Schaden an den alten, vor zwei Jahren auf Vordermann gebrachten Hutmaschinen angerichtet. Alle nicht niet- und nagelfesten Teile waren abgebaut und die Schaltkästen zerstört worden. Jetzt kippten die Einbrecher in einem Ausstellungsraum Apfelsaft auf die ausgestellten Hüte. Den hatten sie sich aus einem Arbeitsraum geholt, von dem sie zuvor die Stahltür aufbrachen. Doch damit nicht genug. In diesem Raum kochten sich die Täter auch noch Kaffee und schütteten den Satz auf den Schreibtisch und auf die Lüftung des Computerbildschirmes. Die Tastatur machten sie mit ausgeschütteter Stempelfarbe unbrauchbar und entwendeten auch noch das Überspielkabel für das Videogerät. Die meisten der für die gestrigen 40 Museumsbesucher aus Berlin bestimmten Flaschen mit Gubener Apfelsaft wurden im Raum ausgekippt, außerdem eine Sehbrille zerbrochen. Rund 1500 Euro Schaden entstanden.

Lausitzer Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Dienstag, 1. April 2003

Auf den Hut gekommen

Arbeitsgemeinschaft bereitet Veranstaltung mit vor - Voraussichtlich im Juni wird das Technische Museum der Hutindustrie wieder zu einer Veranstaltung einladen. In deren Vorbereitung eingebunden ist seit Dezember vergangenen Jahres die Arbeitsgemeinschaft (AG) Kunst des Pestalozzi-Gymnasiums.

Jane, Anne, Marie und Ina hatten bei ihrem jüngsten Arbeitsgemeinschaftstreff ihre Plakatentwürfe an die Tafel gepinnt und probierten zunächst dort einige weitere Gestaltungsvarianten aus. Die Seitenprofile ihrer Konterfeis haben Jane, Marie, Ina, Diana und Anne für die Plakatgestaltung in der AG genutzt. Und wer genauer hinschaut, erkennt zum Beispiel in dem rotgesichtigen Porträt mit dem grünblauen Haar und der bunten Kappe Gesichtszüge von Jane. Diese probiert beim AG-Treff am Donnerstagnachmittag Maries blauem Plakatgesicht mit dem blonden Pferdeschwanz gerade einen schwarzen Tuff an. Dann nehmen die vier anwesenden Mädchen die Plakate von der Wandtafel ab und gestalten sie auf den Tischen weiter. Ina probiert «Edelsteine» und kleine Kunstblumen als Augen und als Haarschmuck auf ihrer Arbeit aus. Anne klebt weiße Punkte auf den grünen Hut. Später sollen die Plakate noch beschriftet werden. Wenn sie fertig sind, werden sie zu einem Rund-um-den-Hut-Abend ins Gubener Hutmuseum einladen. Aber bis dahin gibt es noch viel Arbeit. Denn jedes der Mädchen hat sich bei einem Besuch im Museum vier, fünf Hüte ausgesucht, denen es einen kulturellen Rahmen verpassen will. Der soll sowohl informativ als auch lustig sein. Wann wurde die jeweilige Kopfbedeckung getragen, und von wem« Wer konnte sich dieses oder jenes Modell leisten» Diese und weitere interessante Fragen wollen die AG-Mitglieder beantworten. Jane hat sich dafür einen schwarzen und einen beigen Zylinder sowie einen Homberghut ausgesucht, Anne einen Dreispitz und einen Chinesenhut. Marie will sich unter anderem Geschichte und Geschichten zum Fez, zum Doktorhut und zur «Kreissäge» erarbeiten. Ina erforscht alles rund um die Zipfelmütze und den Panamahut. Und AG-Leiterin Christa Knels fällt da natürlich gleich das Lied vom Mann mit dem Panamahut ein. . . Als die Lehrerin mit einem Teil der AG-Mitglieder zu Beginn der Arbeit an diesem Projekt im Hutmuseum war, probierten die Mädels ausgiebig die für sie absolut ungewohnten Kopfbedeckungen aus, ehe sie sich entschieden, für welche sie auf Entdeckungsreise gehen wollen. Die Schülerinnen finden es schade, dass es die Hutindustrie als solche an der Neiße nicht mehr gibt. Aber selbst einen Hut zu tragen, nein, dass kann sich keine der Schülerinnen vorstellen. «Bestenfalls ein Basecap» , meint Jane, würde zu ihr passen. Doch die Arbeit an dem Hutprojekt macht den Mädchen Spaß. Wenn sie die Plakate fertig haben, wollen sie diese Johanna Kohl im Hutmuseum zeigen. Und dann wird auch die weitere Programmgestaltung beraten werden. Die über eine Strukturanpassungsmaßnahme bei Acol angestellte Museumsmitarbeiterin freut sich über die Unterstützung der Mädels aus dem Gymnasium. «Im Museum haben vorhergehende ABM-Kräfte viel Material zusammengetragen» , sagt die 57-Jährige. Da sie selbst jedoch nicht aus der Hut-, sondern aus der Chemiefaserindustrie kommt, steckt sie in der Geschichte nicht so drin. Und so bleibt es auch für sie spannend, was die Gymnasiastinnen in Bezug auf die Geschichte der im Museum ausgestellten Hüte zusammentragen werden. -- B. Remus

Lausitzer Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Mittwoch, 5. Januar 2000

Auf dem Grundstock aufgebaut - 9000 Besucher sahen in den vergangenen 5 Jahren das Gubener Hutmuseum GUBEN

Heute vor fünf Jahren wurde das Technische Museum der Hutindustrie in der Gasstraße eröffnet. Etwa 9000 Besucher sahen seitdem die ständig wachsende Ausstellung. Den Grundstock für diese bundesweite Einmaligkeit legten drei Gubenerinnen: Jutta Penz, Waltraud Wallat, sowie Isolde Pilz. Die Forscherin, die Hutmacherin und die Historikerin begannen am 1. Januar 1993 innerhalb eines ABM-Projektes der ACOL Gesellschaft für Arbeitsförderung Cottbus mit dem Erarbeiten einer Konzeption und dem Sammeln von künftigen Ausstellungsstücken. "Wir haben bei Null angefangen, wußten anfangs gar nicht so recht, wie wir die Sache angehen sollten. Aber es erwies sich als sehr vorteilhaft, daß zwei aus unserer Gruppe aus der Hutbranche kamen", blickt Isolde Pilz zurück.

Über fünf Jahre und unter Ausschöpfung aller möglichen Fördermaßnahmen trugen die drei Frauen aus nicht mehr genutzten Betriebsräumen und -gebäuden, aus Haushaltauflösungen, von Möbelbörsen und von Sponsoren die unterschiedlichsten Objekte zusammen, inventarisierten sie und bauten so Schritt für Schritt die Ausstellung im Parterre des Produktionsgebäudes an der Gasstraße auf. Bereits im Juni 1993 vermittelte eine Sonderausstellung im Museum "Sprucker Mühle" einen ersten Überblick über den Stand der Projektarbeit. Knapp zwei Jahre später wurde die ständige Ausstellung eingeweiht. Nachfolgende ABM - fünf sind es insgesamt - konnten stets auf dem Museumsfundus aufbauen. Voller Anerkennung für ihre Vorgänger sind auch die derzeitigen drei ABM- Leute - Karin Nickel als Projektleiterin, Siegfried Kurzmann und Falko Höpfner. Ihnen gelang es seit dem 14. März 1999 unter anderem, ein zweites Produktionsvideo zu fertigen. "Es ist etwas leichter verständlich als das erste und zeigt außerdem die Produktion von A bis Z", merkt Karin Nickel an.

Sie selbst lernte die Hutmacherei von der Pike auf. Auch Siegfried Kurzmann verdiente sein Geld einst in diesem Gubener Traditionsbetrieb. Beiden ging der Abriß großer Teile der Hutfabrik an der Gasstraße deshalb besonders nahe. Aber außer der vielen Staubwischerei in den Museumsräumen und Einbußen bei Besucherzahlen brachte der Abriß auch etwas Positives: In allen zum Wegreißen vorgesehenen Gebäuden konnte gründlich nach Wertvollem für das Museum gestöbert werden. Viele Fotos, Brigadechroniken, Ersatzteile, Visitenkarten und anderes wurden entdeckt. "Es waren mitunter nur Kleinigkeiten, aber sie erzählen Hutmachergeschichte", ordnet Karin Nickel die Funde ein. Viele davon können jedoch erst später aufgearbeitet werden. Sie und ihre beiden Mitstreiter hoffen dafür auf eine Strukturanpassungsmaßnahme, die die jetzige ABM nach dem 14. März 2000 fortführt.

Die Stadt hat als Zuschuß für die Museumsarbeit wiederum 15.000 Mark im Haushalts- entwurf veranschlagt. Doch ACOL hat jetzt um die Verdoppelung der Summe gebeten. Im nächsten Kulturausschuß der Stadtverordnetenversammlung wird dieses Thema mit zur Diskussion stehen. Eine Entscheidung kann jedoch erst die Stadtverordnetenversammlung treffen.

Lausitzer Rundschau/Elbe-Elster-Rundschau - Donnerstag, 12. August 1999

"Trockene Haifischhaut macht Hüte flauschig" - Die vierte Sommertour führte die Neißestädter ins Hutmuseum GUBEN.

Die gestrige Sommertour führte ins Gubener Hutmuseum. Die 25 Teilnehmer erlebten dort einen spannenden Vormittag. Der Ausweichtermin kam bei allen gut an. Und die RUNDSCHAU-Aktion hat inzwischen viele Fans. "Ich war bei jeder Sommertour." Christel Liebelt freut sich ganz besonders auf diesen Termin im Hutmuseum. Die Gubenerin arbeitete selbst über 30 Jahre in der Hutfabrik. Auch Inge Kloß ist immer dabei. Traurig, daß der geplante Ausflug zum neuen Mühlenlaufwerk der Sprucker Mühle zum Lokaltermin im Hutmuseum wurde, war niemand: "Dann klappt es eben im nächsten Jahr", waren sich die Teilnehmer einig. Denn aus sicherheitstechnischen Gründen mußte dieser abgesagt werden: Die Baustelle hätte Leser gefährden können.

Tolle Alternative

Karin Nickel und Detlef Renner, Mitarbeiter des Hutmuseums, erklärten sich sofort bereit, den Lesern als Alternative einen spannenden Vormittag in dem Gebäude an der Gasstraße zu bereiten. Das gelang hervorragend. Selbst die Jüngsten begeisterte die geschichtliche Einleitung ins 19. Jahrhundert: die Anfänge der Gubener Hüte, als Carl Gottlob Wilke die zündende Idee hatte, "Hüte mit Dampf haltbar zu machen". Verfilzung von Wolle und später von Kaninchenhaaren war das Geheimnis der in aller Welt berühmt gewordenen Gubener Hüte. Die Geschichte der Wilkes ist der "amerikanische Traum" vom Tellerwäscher zum Millionär - fingen sie doch in einem kleinen Hinterzimmer an. Schlau war Carl Gottlieb Wilke. Er ließ sich seine Erfindung in Berlin patentieren. "In Guben wurden hauptsächlich Herrenhüte hergestellt", weiß Detlef Renner. Und wie das genau geht, darüber informierten zwei Videofilme. "So wird heute noch in der Hutfabrik produziert", versicherten die beiden Mitarbeiter des Museums. Beeindruckend: So viele Arbeitsschritte, um eine Kopfbedeckung herzustellen. "Jetzt wissen wir auch, warum ein Hut seinen Preis hat", so Friedel Karras. Und weil es bis jetzt so spannend war, stimmten alle dem Vorschlag zu, eine Reportage über ein Putzmachergeschäft in Leipzig zu sehen. Zwischendurch reichte Karin Nickel Pfauen- und Straußenfedern durch die Reihen, alles Accessoires, die eine Kopfbedeckung zum Lieblingsstück machen.

Wieder dazugelernt

Tja, aber was war das bräunliche spröde Ding? "Sandpapier" tippte ein Besucher aus Berlin." "Fast", so Karin Nickel. "Das ist trockene Haifischhaut. Damit rauht man die Hüte auf, so werden sie schön samtig und flauschig." Nach dem Film ging jeder seinen Interessen nach - mit konventioneller Rollenverteilung: Die Herren stellten Detlef Renner Fragen zur Technik, die Damen probierten die ausgestellten Hüte. Julian fand sich mit einem schwarzen Handwerkerhut chic und ließ sich damit gleich von Papa ablichten. Großes Interesse erweckte auch die alte Fabrikantenvilla, die auf dem Gelände der heutigen Feuerwehr stand. Karin Nickel zeigte alte Fotos und Grundschnitte. Das alte Guben hatte Charme, da war man sich einig. -- Kathrin Klinkusch

Gubener Zeitung - Sonnabend, 08. Juli 1939

Das Hut- und Hutmachermuseum in der Industriestadt Guben.

Unter den verschiedenen Industriezweigen der im In- und Auslande insbesondere durch ihre Hut- und Tuchfabrikation rühmlichst bekannten Stadt Guben, nimmt die Hutindustrie den hervorragendsten Platz ein. In Guben befinden sich nicht nur die meisten, sondern auch die größten Hutfabrikbetriebe Deutschlands, darunter auch der älteste Betrieb überhaupt, die Hutfabrik C.G. Wilke. Von hier aus hat die deutsche Wollhuterzeugung ihren Ausgang genommen, als es dem Hutmachermeister Carl Gottlob Wilke in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gelang, einen brauchbaren, auch gegen Nässe widerstandsfähigen Wollfilzhut herzustellen. Da Carl Gottlob Wilke es lange meisterhaft verstand, seine Erfindung geheim zuhalten, behielt er und damit Deutschland in der Hutfabrikation die Vorhand.

Die von Carl Gottlob Wilke hergestellten Wollhüte, die an Glanz denen aus Hasenhaaren nichts nachgaben und vor allem auch fest und widerstandsfähig gegen Regen waren, wurden bald in Deutschland bekannt. Die Absatzziffern stiegen von Jahr zu Jahr immer höher an, und in den siebziger und achtziger Jahren gewann auch das Auslandsgeschäft einen großen Umfang, den Namen Gubens damit auch außerhalb unseres Vaterlandes in ständig steigendem Maße bekanntmachend. Auch auf Weltausstellungen erschienen von nun an Gubener Hüte. War zunächst die Wilkesche Hutfabrik die alleinige Trägerin der Gubener Hutfabrikation, so entstanden nun nach und nach in der Stadt noch andere Hutfabriken, von denen manche wieder eingingen, während andere es neben der Firma Wilke ebenfalls zu großem Ansehen in der Welt brachten, unter ihnen in erster Linie die Berlin-Gubener Hutfabrik AG., ein Riesenunternehmen, das im Deutschen Reich, ja man kann wohl sagen, auf dem ganzen europäischen Kontinent nicht seinesgleichen hat. Auch die erst in jüngerer Zeit entstandene Hutfabrik von Fugmann hat es durch eine neuartige Fabrikationsmethode verstanden, sich im In- und Ausland einen bedeutenden Ruf zu erwerben.

Die ständig fortschreitende Entwicklung der Hutindustrie hatte zur Folge, daß im Laufe der Jahre in Guben eine Anzahl von Maschinenfabriken entstanden, die hochwertige Spezialmaschinen für die Hutfabrikation herstellen, die für die Hutindustrie der ganzen Welt von bedeutender Wichtigkeit sind. Für letzteres zeugt das umfangreiche Exportgeschäft dieser Firmen.

Aus dieser Darstellung geht hervor, daß die Hutindustrie an der Entwicklung des ehemals unbekannten Landstädtchens Guben zu einer weltbekannten Industriestadt in erheblichem Umfange beigetragen hat. So ist es denn nur ein selbstverständlicher Akt der Dankbarkeit gegenüber der alten Gubener Hutmacherfamilien, wenn der Oberbürgermeister der Stadt Guben sich nunmehr entschlossen hat, im Anschluß an das bereits bestehende Stadtmuseum ein Hut- und Hutmachermuseum zu errichten. Guben ist der Entwicklung der deutschen Hutindustrie nach der gegebene Ort für ein derartiges Museum.

Der Grundstock hierfür ist bereits vorhanden, da die Firma C.G. Wilke schon bei der Errichtung des Stadtmuseums in hochherziger Weise eine Sammlung geschichtlich wertvoller Hutmodelle gestiftet hat. So wie der Oberbürgermeister am 4. Juli 1939 in Anwesenheit der Beigeordneten der Stadt Guben und der Vertreter der Gubener Hutindustrie vollzogenen Gründung des Hut- und Hutmachermuseums ausführte, soll dieses Museum in zielbewußter Arbeit ständig vergrößert werden, mit dem Ziel, aus ihm im Laufe der Zeit einen Zentralpunkt für die gesamte Hutindustrie unseres Vaterlandes entstehen zu lassen. Vor allem soll das Museum die Entwicklung des Hutmachergewerbes und der Hutindustrie aus den kleinsten Anfängen heraus veranschaulichen.

Möge das junge Hut- und Hutmachermuseum in Guben schon jetzt eine tatkräftige Unterstützung aller Kreise der Hutindustrie unseres Vaterlandes finden, damit der Gedanke der Schaffung eines Mittelpunktes der deutschen Hutfabrikation recht bald verwirklicht werden kann.

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