Geschichte der Hutindustrie nach 1945
Die stark zerstörte und geteilte Stadt Guben wies nach dem Ende des Krieges erhebliche Gebäudeschäden in den Werksanlagen der Hutfabrik auf. Nach Trümmerbeseitigung und Aufräumarbeiten durch die Gubener wurde als erste die Carl Gottlob Wilke Fabrik in der Gasstraße wieder in Gang gesetzt. Bereits 1946 arbeiteten wieder 500 Beschäftigte in der Fabrik. Auch die Berlin-Gubener Hutfabrik konnte die Produktion wieder aufnehmen. Ab 1948 wurden die beiden und die restlichen kleineren übriggebliebenen Fabriken nach dem Beschluß der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) enteignet und als VEB der "Vereinigung Volkseigener Betriebe Pelz" in Leipzig unterstellt. Die Maschinen aus der Berlin Gubener Hutfabriken wurden alle demontiert und in die Sowjetunion gebracht, genau wie auch wichtige Fachspezialisten dorthin abberufen wurden.
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Garnitursaal
Leserzuschrift aus dem VEB Vereinigte Hutwerke Guben an die "Junge Generation":
"Für und wider Heimatschnulzen",
Mai 1962
Ender der 40er Jahre wurde erstmals wieder exportiert, vornehmlich in die Sowjetunion zum Vertragspartner Rasno Export. Nach der Gründung der DDR 1949 erfolgte 1952 die Gründung des "VEB Vereinigte Hutwerke Guben", der 5 Werke umfaßte und 1200 Menschen beschäftigte. Noch in den 50ern begann ein weltweiter Schrumpfungsprozeß der Hutindustrie, so daß zahlreiche Werke in anderen Teilen der Republik nach und nach schließen mußten, der VEB in Guben blieb jedoch bestehen. 1970 wurde dann das "VEB Hutkombinat Guben" gegründet, denen dann viele keinere Betriebe außerhalb Gubens angeschlossen wurde. In den 80ern erfolgte dann sogar die Zusammenlegung bzw. Zuordnung aller Werke der Hutindustrie zum "VEB Textilkombinat Cottbus", die Leitung für Hüte und Mützen blieb aber bei den Gubenern. In Guben waren Mitte der 80er Jahre noch 650 Arbeiter und Angestellte in der Hutfabrik beschäftigt, inklusive der dazugehörigen Betriebsstätten waren es circa 1000. 1988 wurden 2,3 Mio Hüte und Mützen mit einem Umsatzvolumen von fast 58 Mio. Ostmark produziert. Davon wurden in der Regel ca. 80% in die Ostblockstaaten und der Rest in kapitalisitische Länder exportiert.
Nach der Wende 1990 wurde der Betrieb in die Kapitalgesellschaft "Gubener Hüte GmbH" umgewandelt, Gesellschafter war bis zur Privatisierung die Treuhandanstalt. Dringend bedurfte man mit der marktwirtschaftlichen Umstellung ein Sanierungskonzept für den Betrieb. Bereits 1990 wurden viele Arbeitsplätze abgebaut und die Zahl lag 1991 bei nur noch 70 Mitarbeitern. 1993 übernahm der Unternehmer Herr Ondrich den Betrieb, der jedoch kurz vor dem Konkurs 1996 ausschied und ein Gesellschafterwechsel vollzogen wurde. Von 1996 bis 1998 wurde der Versuch unternommen, die drohende Gesamtvollstreckung abzuwenden. Am 25. Mai 1998 mußte jedoch der Antrag auf Gesamtvollstreckung gestellt werden.Noch im selben Jahr wurde die Produktion wieder aufgenommen, doch der Versuch die Tradition der Hutherstellung in Guben aufrechtzuerhalten scheiterte leider mit der "Neuen Gubener Hüte Verwaltung GmbH" endgültig 1999. Das was die Gubener Hutindustrie an die Weltspitze gebracht hatte, eine auf den Weltmarkt ausgerichtete Innovationspolitik, betrieben von mutigen Unternehmern wie Wilke und Lewin, konnte nicht wiederbelebt werden.
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