|  
Leserzuschrift
aus dem VEB Vereinigte Hutwerke Guben an die "Junge Generation", Mai
1962 | >Für<
und >wider< Heimatschnulzen | |
| "Sicher
gibt es dieses Problem nicht nur in unserem Betrieb. Wenn die Rede auf flotte
Tanzmusik und in diesem Zusammenhang - es kann auch nicht anders sein - auf den
Sender Luxemburg kommt, dann gibt es nicht nur heftige Diskussionen, sondern oftmals
den häßlichsten Streit. | | Diese
Feststellung traf unsere neugewählte FDJ-Leitung schon bei der Wahlversammlung
zu Beginn dieses Jahres. Damals nahmen wir in unseren Kompaß die Verpflichtung
auf, keine westlichen Sender zu hören. Nach den damaligen heftigen Diskussionen
nahm sich die neugewählte Leitung vor, für die Unbelehrbaren einen Vortrag
zu diesem Thema zu organisieren. | | Im
September konnten wir in unserer Mitte einen Offizier der NVA begrüßen,
der uns an Hand von Tonbändern den "Sinn" der westlicher Tanzmusik
und speziell die Aufgaben des Senders Luxemburg erklärte. Das war einer sehr
interessante Sache und auch die Freunde, die bisher auf Radio Luxemburg schwörten,
bekamen bei der näheren Betrachtung der Texte sehr nachdenkliche Gesichter.
Sie mußten einsehen, daß die Musik zwar sehr flott ist und ins Ohr
geht, die Texte aber einen ganz bestimmten Zweck verfolgen, nämlich den,
die Jugend zum Stehlen und Morden anzuregen, falsche Ideale zu schaffen und die
Revanchepolitik der westdeutschen Militaristen zu unterstützen. |
| Im
Gegensatz zu diesen Schlagern hörten wir auch Tanzmusik aus der Produktion
der DDR. Alle mußten erkennen, daß in diesen Texten die schönsten
und saubersten Beziehungen der Menschen zum Ausdruck kommen. Wir sind uns darüber
im klaren, daß nicht alle Freunde restlos von der feindlichen Tätigkeit
des Senders Luxemburg, der doch "nur Tanzmusik" bringt, überzeugt
sind. Aber wir glauben, doch schon einen Erfolg erzielt zu haben." |
|
| Junge
Generation, Berlin, 21 (1962), S. 94. | |